In der Volksgruppe der Luo ist es Tradition, dass Frauen nach dem Tod des Mannes mit dem Schwager wiederverheiratet werden. So soll die Frau innerhalb der Familie weiterleben können. Bedingt durch die hohe HIV/Aids Rate weigern sich aber mehr und mehr Frauen dieser Tradition nachzukommen. In der Folge werden sie aus der Dorfgemeinschaft und somit aus der Familie verstoßen und verlieren ihre Anerkennung und zudem ihren gesamten Besitz der ebenfalls in die Besitztümer des Schwagers übergeht. Die Frauen sind nach dem Tod des Mannes vollkommen auf sich gestellt und versuchen ihre Kinder, Enkelkinder und angenommenen Kinder allein zu ernähren.
St. Monica Widows and Orphans Group
Das Witwendorf St. Monica ist ein Zusammenschluss von Witwen, die nach dem Tod ihrer Lebenspartner aufgrund der durch Tradition und Kultur geprägten Stammesgemeinschaft keine Zukunftsperspektive mehr haben.
Das Witwendorf liegt in der Nähe des Marktes von Nyabondo. Etwa 700 Witwen tragen Verantwortung dafür und werden von den Einnahmen profitieren. Dort finden sie Aufgaben in einem Verwaltungsgebäude für den demokratisch gewählten Dorfrat und das Management, einer Leihbücherei, einem Petroleumshop, einer Schneiderei und in einer typisch kenianischen Gaststätte mit Möglichkeit der Armen- und Waisenspeisung.
Die St. Monica Witwen haben sich zu 55 Gruppen zusammen geschlossen, deren Ziel es ist, durch gemeinschaftliche Arbeit Einnahmen zu erwirtschaften, die ihnen Zukunftsperspektiven bieten. So übernehmen sie Verantwortung und ihre Rechte werden gestärkt. Die Frauen sollen ihr Selbstbewusstsein festigen und ihre Lebensfreude zurück gewinnen.
Das Witwendorf ist in viele kleine Bereiche aufgeteilt, so dass die Witwen in verschiedenen Aufgabengebieten tätig sein können.
Eine Gruppe der Witwen baut beispielsweise einen Großteil der benötigten Nahrungsmittel selbst an. Der Ertrag kommt dann den eigenen und den zahlreichen angenommenen Kindern zugute.
Großen Zuspruch findet auch das Hotel (in Kenya steht das Wort Hotel für eine kleine kenianische Gastronomie). Hier wird gutes Essen zu sehr günstigen Preisen angeboten und so der oft mittellosen und verarmten Bevölkerung zugänglich gemacht. Das Hotel erfreut sich bereits an regelmäßig wiederkehrenden Gästen.
In der Schneiderei des Dorfes werden unter anderem die Schuluniformen für die Waisenkinder des Patenschaftprojektes genäht. Aufträge erhält die Schneiderei auch zunehmend durch das St. Josephs Hospital unter der Leitung des Ordens der Franziskanerinnen.
Das große Ziel ist und bleibt jedoch die Selbstverwaltung des Dorfes, die wesentlich von der Eigeninitiative der Mitglieder abhängt. Unterstützt wird das Projekt zum einen finanziell wie auch beratend durch die Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya, die soweit möglich an den regelmäßigen Sitzungen des Dorfes teilnimmt. Ein Grundsatz ist, dass sich das Witwen- und Waisendorf finanziell selbst tragen muss und für laufende Kosten von der AZHK keine Zuschüsse gezahlt werden.



