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Reisebericht Dr. Gabi Leiber-Ohl

Keniareise vom 2.11.2011 bis 22.11.2011

 

 

Im November 2011 war ich zum vierten Mal in Kenia. Diesmal wieder in Begleitung von meinem Mann Norbert und zum ersten Mal mit unserem Neffen Sebastian. Wie in der Vergangenheit haben wir Schulen besucht, Filme gezeigt, Ausflüge organisiert, ein Festessen für die Kinder im Witwendorf organisiert und vor allem für die Kinder ein offenes Ohr gehabt.

Doch der Hauptgrund unserer diesjährigen Reise war die Einladung des Direktors der Nyabondo Boys Boarding Primary School zum ‚Prayer Day’ seiner Schule. Unser Patenjunge legte in diesem Jahr an dieser Schule seine Abschlussprüfung ab und uns bot sich die Gelegenheit etwas Neues kennen zulernen.


Doch was ist der Prayer Day?


Der Prayer Day findet ein oder zwei Tage vor Beginn der Abschlussarbeiten an jeder Schule statt. Pray heißt beten und so ist neben den Examenskandidaten der Pfarrer die wichtigste Person an diesem Tag.

Jeder, der Rang und Namen hat und für die entsprechende Schule von Bedeutung ist, ist vertreten. d.h. die Schüler, deren Angehörige, die Lehrer, der Elternrat und viele Honoratioren aus der Region. Es wird viel gesungen, viele Reden werden gehalten. Den Lehrern wird in einer öffentlichen Geldsammlung d. h. mit Ansage der Spende für ihre Arbeit gedankt. Auch wir nahmen an dieser Spendenaktion teil, zumal wir wissen, dass das Lehrergehalt nicht hoch ist. Es ist eine lange Feier. Dann hielt ein Medizinmann in Zivil eine Rede in der Landessprache Kisuaheli. Wir konnten den Inhalt nicht verstehen, doch die Gesten waren eindeutig. Die Tradition ist im Luoland (dazu gehört auch die Region um Nyabondu) tief verwurzelt und Gott im Himmel ist weit weg. Als Freund der Schule musste Norbert natürlich auch eine Rede halten. Nachdem schon so viele gesprochen hatten, dachte er in der Kürze liegt die Würze und so kam er mit einer kurzen Episode aus seinem eigenen Schülerleben gut an. Doch am eindruckvollsten war die Rede bzw. das Gespräch zwischen dem Pfarrer und den Examenskandidaten. Es war beeindruckend, wie er es verstand, die Jungen zu loben und gleichzeitig zu motivieren, für diese Prüfung all ihre Reserven zu mobilisieren. Das all die Kraft von Gott, dem Allmächtigen kommt, steht natürlich außer Frage.

An diesem Abend waren wir uns sicher, die Schüler dieser Schule gehen ohne Furcht und mit großem Selbstbewusstsein in ihre Prüfungen. Das Prüfungsergebnis, welches wir von dieser Schule Ende Dezember erhalten haben, hat das bestätigt. Die Schule ist wie im Vorjahr in dieser Region die Beste.

Für uns war dieses Erlebnis sehr beeindrucken. Vor allem die vielen Reden waren für uns sehr lehrreich. Diesen ‚ Prayer Day’ gibt es nur an den Primary Schools. Und es wird klar, dass dieser Schulabschuss die Weichen für den weiteren Werdegang der Schüler stellt.

Am Ende wurden von Pfarrer die Schulhefte und Schreibutensilien der Examenskandidaten gesegnet und jeder Examenskandidat bekam ein Ei und eine Soda, um Energie zu tanken. Im Schulhof wurden fünf junge Bäume gepflanzt. Natürlich von Männern und Norbert wurde gebeten, auch einen Baum zu pflanzen.

Am folgenden Tag durften wir den Prayer Day an einer Mädchenschule miterleben. Der Ablauf ähnelte sich. Die Reden waren hier kürzer, dafür wurde hier mehr gesungen und getanzt. Doch die Stimmung war an dieser Mädchenschule eine andere.

Es war offensichtlich, Jungenschulen haben in Kenia einen höheren Stellenwert. Mädchen stehen an zweiter Stelle. Gleichberechtigung, wie sie bei uns normal ist, gibt es in Kenia noch nicht. Ein doppelter Grund, Mädchen zu fördern.

Deshalb ist unser zweites Patenkind nun auch ein kleines Mädchen. Das dies kein leichtes Unterfangen wird, ist uns klar, denn dieses Mädchen ist erst im Alter von 8 Jahren eingeschult worden. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg und so packen wir’s an. Mit Gottes Hilfe wird’s schon klappen.


Ihre Dr. Gabriele Leiber-Ohl